Donnerstag, 17. Mai 2012

All things must pass

Jetzt ist es also soweit. Ich sitze auf gepackten Koffern und morgen geht es für mich wieder nach Hause.

Da ich es versäumt habe, meinen Blog auf dem aktuellen Stand zu halten, möchte ich zum Abschluss wenigstens noch einen Überblick geben, was ich seit dem Jahreswechsel in meinem lSpring-Semester in den USA erlebt habe.

Kurz nachdem ich von unserer vierwöchigen USA-Tour mit meinen Würzburger Jungs nach Austin zurückgekehrt bin, ging es Ende Januar nach Washington zu einem KAS-Seminar. Das Seminar zum "Arabischen Frühling" wurde von Studenten aus Washington organisiert und richtete sich an alle Stipendiaten, die derzeit über die USA verstreut studieren oder Praktika absolvieren. Wie sooft war es beeindruckend zu hören, was die anderen "Streber" anstellen. Ob Praktikum bei der Weltbank oder der EU-Delegation, Doktorarbeit in Zusammenarbeit mit CIA und BND...nichts ist unmöglich. Das Programm war mit einer Führung durch das Capitol, Treffen mit Diplomaten im State Department, Diskussionen mit Journalisten und Workshops mit arabischen Studenten intensiv und interessant. Teilweise blieb einem nur noch das Staunen, wenn Diplomaten fließend sechs Sprachen sprechen und übergangslos hin- und herwechseln können oder von ihren Erlebnissen beim Wiederaufbau in Afghanistan berichten. Als Abschluss gab es dann ein Abendessen mit deutschen Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Wiederum waren deutsche Mitarbeiter der EU, der Weltbank und der Generalkonsul dabei. 

Capitol

Lincoln Memorial

White House

Der eher "informelle" Teil...
  
...und der eher offizielle.
































Anfang Februar kam dann der erste, lang erwartete und gewünschte Besuch nach Texas! Nach gut einem halben Jahr gab es das große Wiedersehen und da man ja nicht nur für ein paar Tage um die halbe Welt fliegt, blieb Jule gleich für sieben Wochen: sechs Wochen Praktikum plus eine Woche Springbreak-Urlaub in Mexico City.


In den ersten Wochen haben wir Austin unsicher gemacht und Jule konnte sich einen Eindruck darüber verschaffen, was UT, Collegespirit und die Texaner zu bieten haben.



Auf Jules Blog könnt ihr alles ein wenig ausführlicher nachlesen. ;)


Mitte Februar gab es dann schon das nächste große Wiedersehen. Mama und Papa haben sich auf den weiten Weg über den Atlantik gemacht, um in den USA nach dem Rechten zu sehen. Da ihre Reiseroute an der Ostküste entlang führte, haben Jule und ich uns auf den Weg nach New York gemacht.

An den folgenden drei Tagen hatten wir neben dem Manhattan-Sightseeing Programm genügend Zeit, um die letzten Monate noch einmal Revue passieren zu lassen. Es gab schließlich einiges zu erzählen.

Brooklyn Bridge

Guggenheim Museum

Mit Mutti und Vati auf Liberty Island





Time Square
Nach drei sehr schönen Tagen ging es für die beiden weiter nach Washington und für Jule und mich zurück nach Austin. Wer hätte im letzten Jahr gedacht, dass die nächste Reunion in NYC stattfindet. Vielen Dank an die beiden Besucher!

In den kommenden Wochen musste ich dann etwas intensiver die Schulbank drücken, da gleich reihenweise Projekte und Zwischenprüfungen anstanden. Zeit für Abwechslung muss dennoch immer sein: Warum sollte man nicht auf einem Beer-Bike durch Downtown Austin fahren und die Party somit einfach auf die Straße verlegen? So ging es mit Zapfhahn an Bord von Bar zu Bar. Großer Nachteil: Man muss die ganze Zeit in die Pedale treten. Großer Vorteil: Wenn man durstig wird, kann einem direkt beim Radeln geholfen werden.

Leider unscharf...



Nachdem der Uni-Arbeitsteil erledigt war, stand eine Woche Spring Break an. Da wir in Texas ziemlich nah an der mexikanischen Grenze sind, haben wir beschlossen, diese möglicherweise einmalige Chance zu nutzen. Gesagt. Getan. Für zehn Tage ging es nach Mexiko City:

Ich war überrascht, dass Mexico City so vielfältig und abwechslungsreich ist:
Belebte Straßen und ruhige Hinterhöfe, unzählige Straßenkünstler- und händler und unübersichtliche, endlose Märkte. Hier einige der Highlights:

Palacio de Bellas Artes

Zocalo - ein rießiger Platz mit angrenzender Kathedrale

Atztekische Tänzer



...und besonders hübsche Frauen!


Mitte in Mexico City befindet sich der Bosque de Chapultec, die grüne Oase der Millionenmetropole mit Schloss, Park- und Seenlandschaft.




In Mexiko gibt es durchaus eigentümlich Bräuche. Die Voladores, indianische Kopf-über-Maibaum-Springer seilen sich spektakulär aus beträchtlicher Höhe ab:




Am nächsten Tag ging es mit dem Bus zu den Pyramiden von Teotihucan. Die Sicherheitskontrollen waren unglaublich. Taschenkontrolle, Personenkontrolle, Videoaufnahme von allen Passagieren, Polizeikontrolle auf dem Weg. Zumindest kann man so sicher sein, dass für Sicherheit gesorgt ist. ;)

Bei super Sonnenschein ging es durch die beeindruckend weitläufigen Ruinen der Aztekenstadt und auf die Pyramiden. Die Aussicht hat sich wahrlich gelohnt.






Sonnenschutz, ganz wichtig! ;)



An diesem Abend haben wir an einem der zahlreichen Straßenstände gegessen und wie immer wurde fleißig Spanisch bestellt. Leider hat mir meine Kühnheit letztlich Schweineaugen in Tacos gerollt eingebracht. Nachdem ich die "Spezialität" unbeschadet überstanden hatte, probierten wir noch einen weiteren Stand, an dem mich der offensichtlich schwule Koch umgarnte und letztlich sogar anfing, Liebeslieder zum Besten zugeben. Jule hat nur gelacht und ich wusste nicht wirklich, wie ich ihm klarmachen sollte, dass ich eigentlich nur Augen für mein bzw. sein Essen habe ;)

Am nächsten Tag wagten wir uns auf den größten Markt der Stadt...

Vielleicht doch erstmal Vegetarier?


Am gleichen Tag ging es nach Xochimilo, um uns dort mit einem von hunderten bunt bemalten Booten durch die Kanäle im Süden Mexico Citys gondolieren zu lassen. 




Nächstes Ziel: Puebla. Nach zwei Stunden Busfahrt waren wir auch schon in einer idyllischen Stadt mit ausgedehntem historischen Stadtzentrum, das allein 70 Kirchen hat (!).






Der letzte Ausflug, bevor es von Mexico City zurück gehen sollte, ging zur Silberstadt Taxco. Eine Stadt, direkt an den Berg gebaut, mit unglaublich steilen, engen und gewunden Straßen, auf denen nur VW Käfer-Taxis fuhren. Ein kleines Nest, das den Besuch absolut wert war.







Am nächsten Tag ging es wieder nach Hause und nur zwei Tage später für Jule wieder zurück nach Deutschland. Ich glaube wir haben unsere gemeinsame Zeit ganz gut genutzt und so brachen die letzten paar Wochen an, bevor wir uns dann back home wiedersehen.

An einem der folgenden Wochenenden hatte ich dann die Chance, einen anderen Würzburger in Texas bei einem Basketballspiel zu "treffen". Dirk Nowitzki im NBA-Game San Antonio Spurs vs. Dallas Mavericks. Ganz großer Sport, wenn die Mavericks letztlich auch verloren haben.



Anfang April stand dann der Höhepunkt der Volleyballsaison auf dem Programm: Die National College Volleyball Championships in Kansas City.

Nach 13stündiger Fahrt (man braucht allein um die 7-8 Stunden, um Texas zu verlassen), konnte es losgehen. Auf einer Rolltreppe ging es in einem riesigen Convention-Center zu den Spielfeldern. 50 Volleyballfelder in einer einzigen Messehalle.



Gegen 8Uhr morgens hieß es dann "Please rise for our national anthem" und die knapp 240 Teams verschiedener Leistungsklassen (m/w) traten an ihren Spielfeldern an, um die amerikanische Hymne zu singen. Ein Moment, den ich wohl nicht vergessen werde. 
Sportlich konnten wir an diesem Wochenende leider nicht besonders viel erreichen, da uns die kalifornischen Teams doch leicht überlegen waren, aber die Erfahrung war es wert. Mit einer Silbermedaille aus den Regionalmeisterschaften in Texas und der Teilnahme an den Nationals beendete ich somit meine Volleyballkarriere im UT Team.

Wo die Großen zu den Kleinsten zählen...

Das sind die Jungs, mit denen ich doch einige Zeit in Turnhallen verbracht habe.

Danach gab es keine "großen" Highlights mehr. Ich habe noch einige sehr schöne Wochen mit Baseball, Disc Golf, Raquetball und  Partys hier und da in Austin verbracht.
Ein bisschen fleißig musste ich letztlich auch noch sein, um die letzten Prüfungen über die Bühne zu bringen und so konnte ich mein letztes Semester an der University of Texas sehr erfolgreich abschließen.

In der letzten Wochen hieß es nun langsam Abschied nehmen von Freunden, die ich hier gewonnen habe und Dingen, die ich zu schätzen gelernt habe. Es scheint noch garnicht so lange her zu sein, dass ich das erste Mal über den Campus gelaufen bin und heute war es bereits das letzte Mal.
Die letzten Tage habe ich mit meinen Kumpels hier noch soviel Zeit wie möglich verbracht, bevor jeder wieder seinen eigenen Weg geht.



 

All things must pass. 
Ich hatte die Möglichkeit, in den letzten knapp zehn Monaten unzählige Eindrücke zu sammeln, Erfahrungen zu machen, Menschen aus aller Welt kennenzulernen und neue Dinge zu erleben. Ich habe meine Zeit hier in vollen Zügen genossen und jetzt geht es an anderer Stelle mit neuen Herausforderungen weiter. Manchmal kam es mir fast selbstverständlich vor, hier zu leben und zu studieren. Das ist es allerdings nicht. Es war eine einzigartige, wahrscheinlich einmalige Chance alles hinter sich zu lassen und nach fast einem Jahr mit Erinnerungen, neuen Ideen und Vorstellungen den Heimweg anzutreten. Ich wurde gefragt, was ich am meisten vermisse werde und auf was ich mich am meisten freue. Vermissen werde ich ganz bestimmt all die Freunde und Bekanntschaften hier. Auf der anderen Seite freue ich mich auf das große Wiedersehen zu Hause. Es scheint doch eine ganz schöne Weile her zu sein, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben und ich bin gespannt darauf, zu erfahren, was ihr im letzten Jahr angestellt habt.

"My bags are packed. I am ready to go..."
Jetzt sitze ich auf gepackten Koffern. Heute Abend gibt es noch ein gemeinsames Dinner mit allen, die noch da sind. Danach werde ich mich noch gebührend von der 6th Street verabschieden und morgen Vormittag um 11 Uhr mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Flieger steigen.

Das Motto der University of Texas lautet: What starts here changes the world.

Eines ist sicher. Meine "Welt" hat Texas doch ein wenig verändert und jetzt ist es Zeit vom Lone Star State Abschied zu nehmen und die tollen Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen.

Zum letzten Mal sende ich euch sonnige Grüße aus Texas!

Goodbye Texas. It's been a great time.